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Schwanger?

Und keiner darf es erfahren?

Ich wollte nicht, dass meine Eltern enttäuscht von mir sind.

Ich bin Studentin und habe zu meinen eigenen Eltern ein gutes, harmonisches Verhältnis. Als ich meine Schwangerschaft bemerkte, war ich überrascht und es war mir peinlich, besonders gegenüber meinen Eltern, die mich immer sehr behütet haben. Um mich brauchten sie sich nie Gedanken machen – und nun war ich so jung schwanger, und dass auch noch ohne Partner.

Ich habe die Schwangerschaft mit einiger Mühe geheim gehalten, niemand wusste davon. Zur Entbindung bin ich allein ins Krankenhaus gegangen. Sie sollte anonym stattfinden. Für mich stand fest, dass ich das Kind nicht behalten würde. Ich wollte nicht, dass meine Eltern enttäuscht von mir sind. Die Hebammen im Krankenhaus waren sehr verständnisvoll und haben mich unterstützt. Sie haben mir von der Möglichkeit einer vertraulichen Geburt erzählt. Am Tag nach der Entbindung bin ich dann zusammen mit einer der Hebammen zu einem Beratungsgespräch gegangen. Während des Gesprächs wurde mir bewusst, dass ich mehr an dem Kind hänge als gedacht. Die ersten Stunden mit dem Kind hatten mich sehr berührt und ich begann an meiner Entscheidung zu zweifeln. Im Laufe der Beratung habe ich mich dazu entschieden meine Eltern einzuweihen.  Meine Eltern haben die Situation viel besser aufgenommen als gedacht. Sie haben mich nicht zurückgewiesen. Ganz im Gegenteil: Heute wohne ich zusammen mit meinem Kind bei ihnen. Ich bin sehr froh, dass ich so gut von den Hebammen unterstützt wurde und die Beratung wahrgenommen habe. So habe ich heute das Gefühl die richtige Entscheidung getroffen zu haben. | Lisa

Die Schwangerschaft wollte ich zuerst nicht wahrhaben

– aus Angst, mit zwei Kindern alleine dazustehen, ohne Eltern, Mann und Unterstützung. Ich hatte schon ein Kind und mein Mann wollte kein zweites. Ich habe Panik bekommen.

Zu Hause entbinden und mein Kind in die Babyklappe zu legen kam für mich nicht in Frage. Wenn es Komplikationen gibt, sollte jemand für das Kind da sein. Ich rief mehrmals bei einer Beratungsstelle an. Die Beraterin erklärte mir, wie eine anonyme Geburt abläuft. Sie hat mir viel Mut gemacht. Nach der Geburt wurde das Neugeborene in einer Pflegefamilie untergebracht. Die erste Zeit ging es mir überhaupt nicht gut, ich habe einfach nur funktioniert. Ich besuchte meine Tochter so oft ich konnte und musste viel weinen. Ich wollte sie gar nicht mehr loslassen.  Einige Monate nach der Geburt konnte ich es nicht mehr aushalten und habe es meinem Mann gesagt. Er war schockiert, aber wir fuhren gemeinsam zu den Pflegeltern, um die Kleine zu besuchen. Dann haben wir uns entschieden, sie zu uns zu nehmen. Ich war froh, dass diese ganze Geheimhaltung endlich vorbei war, auch wenn es mit meinem Mann und der Familie manchmal schwierig war.  Den Pflegeeltern, der Beraterin und den Leuten in der Klinik bin ich sehr dankbar. Dafür, dass fremde Menschen für mich da waren und gesagt haben, du schaffst das! Wir kriegen das hin. Egal, wofür du dich entscheidest, wir stehen hinter dir. Dass man so viel Anerkennung bekommt, ermutigt und respektiert wird, obwohl man nicht weiß, ob man das Richtige oder Falsche tut. Dass einem angeboten wird, wir sind für dich da. | Susanne

Ich habe mich früh gefragt, warum ich anders aussehe, da ich nicht die gleiche Hautfarbe habe wie meine Eltern und Geschwister.

Meine Eltern machten nie ein Geheimnis daraus. Von Anfang an haben sie ehrlich und ausführlich mit mir darüber gesprochen, dass ich adoptiert bin.

In der Grundschulzeit fing ich an zu rebellieren. Ich wollte wissen, wer meine „richtigen“ Eltern sind und warum sie mich abgegeben haben. Meine Eltern unterstützten mich zwar immer tatkräftig. Meine Fragen konnten sie aber nicht zu meiner Zufriedenheit beantworten. Warum hat meine Mutter mich zur Adoption freigegeben? Sehe ich meinen biologischen Eltern ähnlich? Wo wohnen und leben sie? Habe ich noch Geschwister? Es hieß immer nur: „Deine leibliche Mutter war zu jung, um dich zu behalten.“ Ich entwickelte zu dieser Zeit eine Wut auf meine (Adoptiv)Mutter. Sie meinte, dass ich in Wirklichkeit nicht sie ablehnte, sondern meine leibliche Mutter, was ich unbewusst auf sie projizierte. Durch lange Gespräche verstand ich, warum ich das tat und konnte besser mit der Situation umgehen. Mit 16 hatte ich den Wunsch, die Frau, die mich geboren hat, kennenzulernen oder wenigstens ein Foto von ihr zu haben – was meine Mutter äußerlich mit Gelassenheit hinnahm. Ich erzählte meinen Eltern von meinen Sorgen und Ängsten. Sie beruhigten mich und sagten „Wir sind bei dir und lieben dich“. Ich zögerte lange, bis ich den Mut hatte, meine leibliche Mutter anzurufen. Mit 18 Jahren traf ich sie dann. In dem Gespräch mit ihr habe ich all das erfahren, was ich schon immer wissen wollte. Aber das Treffen hat mir auch gezeigt, dass ich zu meiner (Adoptiv)familie gehöre und dort meinen Platz habe. | Anna

In der Trennungsphase habe ich einen anderen Mann kennengelernt – von ihm bin ich schwanger geworden.

Ich bin 24 Jahre alt, Studentin. Als ich ungeplant schwanger wurde, befand ich mich in der Trennungsphase von meinem langjährigen Partner. In der Trennungsphase habe ich einen anderen Mann kennengelernt – von ihm bin ich schwanger geworden. Keiner sollte das wissen, nur meiner besten Freundin habe ich mich anvertraut.

Über die Onlineberatung habe ich mich über die vertrauliche Geburt näher informiert und Kontakt zu einer Schwangerenberatungsstelle aufgenommen. Ich war sehr froh dort eine Ansprechpartnerin zu haben. Die Beraterin hat mich während der letzten Wochen der Schwangerschaft begleitet. So stand sie mir nicht nur in der Entbindungsstation bei der Untersuchung zur Seite, sondern hat sich auch um das Drumherum der vertraulichen Geburt gekümmert. Es war für mich sehr beruhigend, dass die Beraterin das medizinische Personal über die Rechtslage und die weitere Vorgehensweise informiert hat.  Die Entscheidung für die vertrauliche Geburt fiel mir nicht leicht. Doch letztlich wurde mir klar, dass ich das Kind nicht behalten konnte. Für mich war besonders wichtig, dass das Kind möglichst schnell in eine nette Familie aufgenommen wird.  Ich war mir unsicher, ob alles glatt gehen wird. Im Nachhinein hat jedoch alles gut geklappt. Das Kind ist gesund und es konnte eine Adoptionsfamilie gefunden werden, bei dem es in guten Händen ist. Auch nach der Entbindung war die Beraterin für mich da, das hat mir sehr geholfen.  | Sandra

Als ich erfuhr, dass ich schwanger bin, war ich schon im siebten Monat.

Schwanger mit Anfang 20 – ein Schock. Ich war verzweifelt, traute mich nicht, es jemandem zu sagen. Für meinen Freund kamen Kinder überhaupt nicht in Frage. Auch für meine Eltern nicht, ein Kind in ‚wilder Ehe’... Ich suchte im Internet nach Hilfsangeboten – was ich dort über Babyklappen oder Adoption gelesen habe, konnte ich mir aber nicht vorstellen.

Einige Wochen vor der Geburt rief ich bei einer Beratungsstelle an, weil ich immer größere Angst bekam. Ich musste sehr viel weinen, konnte kaum sprechen. Das erste Mal offen zu reden empfand ich als erleichternd. Bei der Beratung stand ich im Mittelpunkt. Mir selbst sollte es gut gehen, dann würde es auch dem Kind gut gehen. Ich hatte immer das Gefühl, es ist wichtig, was ich denke. Und wie ich es für richtig halte, so wird es auch gemacht. Die Beraterin war immer auf meiner Seite.  Ich entschied mich, anonym im Krankenhaus zu entbinden. Mein Freund schöpfte aber Verdacht, weil ich so komisch war und schließlich erzählte ich ihm alles. Unsere Tochter holten wir nach einigen Tagen in der Klinik ab – mit der Absicht, sie selber großzuziehen. Später sagte ich es auch meinen Eltern. Sie haben die Kleine von Anfang an geliebt und unterstützen uns sehr.  Nach der Geburt hatte ich noch längere Zeit Kontakt zu der Beratungsstelle. Wegen der schwierigen Situation vor der Geburt hatten wir ja nicht mal Babysachen. Die bekamen wir von der Beratungsstelle. Wir erhielten auch Hilfe im Umgang mit verschiedenen Behörden. Auch wenn wir zunächst mit der Situation überfordert waren, war die Beraterin immer überzeugt, dass wir es zusammen schaffen können. Und das haben wir auch. | Selina

Der Vater meines Kindes hatte mir Gewalt angedroht, sollte ich schwanger werden.

Meine Schwangerschaft verdrängte ich wohl deshalb bis zum sechsten Monat. Zwei Monate vor der Geburt zog ich mich von Freunden zurück. Jetzt war es nicht mehr zu übersehen. Zum Glück war Winter und ich konnte weite Pullover tragen.

Nie hätte ich gedacht, dass mir sowas einmal passiert, solche Angst, solche Verzweiflung – mit Ende dreißig, gut ausgebildet. Einen Plan für „danach“ hatte ich nicht. Manche Nacht saß ich vor dem Computer und hoffte, dass das Internet eine Lösung ausspuckte.  Kurz vor der Geburt nahm ich meinen Jahresurlaub. In meinem Wohnzimmer brachte ich einen Jungen zur Welt. Zwei Tage spielte und schmuste ich mit ihm, nahm Abschied. Am dritten Tag fuhr ich zu einem Krankenhaus. Eigentlich wollte ich ihn dort abgeben und gleich wieder los. Aber eine Ärztin bot mir eine Untersuchung an und informierte eine Beraterin. Sie fragten nach dem Namen des Kindes, nach einem Brief, einem Kuscheltier, einer Haarsträhne – als Erinnerung an seine Mutter. Und ob ich nicht doch von meiner Situation erzählen will. Da konnte ich das erste Mal richtig weinen.  Ich wollte, dass mein Sohn in einer richtigen Familie aufwächst. Deshalb habe ich mich für eine Adoption entschieden. Neun Monate nach der Geburt konnte ich die Adoptivfamilie kennenlernen. Das war mir sehr wichtig. Seitdem bekomme ich über die Adoptionsvermittlung regelmäßig Briefe und Fotos. Meine Daten habe ich offengelegt, so dass er mich eines Tages finden kann. | Melanie

Wieder schwanger! Ich war 30 und alleinerziehende Mutter zweier Töchter.

Dem Vater des Kindes konnte ich in seiner Situation kein Kind zumuten. Er war arbeitslos, bekam Hartz IV. Unsere Beziehung war ein ständiges Auf und Ab.

Ich überlegte lange hin und her. Was konnte ich dem Kind in meiner Lage schon geben? Adoption schien mir der einzige Ausweg. Aber gehört ein Kind nicht zur Mutter? Ich machte mir schwere Vorwürfe. Erst kurz vor der Geburt bin ich zum Arzt, und dann zu einer Beratungsstelle. Ich hatte Angst. Doch die Beraterin zeigte Verständnis dafür, dass ich keine Zukunft sah für mich und meine Tochter. Wir überlegten, ob ich sie vorübergehend in eine Pflegefamilie gebe – bis sich meine Situation stabilisiert. Aber das wäre für sie und mich noch belastender gewesen. Ich blieb bei meiner Entscheidung, schweren Herzens. Kurz darauf habe ich die Adoptiveltern kennengelernt. Gemeinsam suchten wir einen Namen aus: Lea. Einen Tag nach der Geburt habe ich Lea den Adoptiveltern übergeben. Die Beraterin war dabei und kümmerte sich um alle bürokratischen Dinge. Ich spürte, dass dies die richtige Entscheidung war. Lea würde es dort, in einem stabilen Umfeld, gut haben. Oft denke ich an sie. Einmal im Jahr hole ich bei der Adoptionsstelle Fotos und Briefe der Adoptivmutter ab. So habe ich erfahren, dass sie ein fröhliches Kind ist und viel lacht. Ich habe meine Geschichte für sie aufgeschrieben. Falls sie eines Tages wissen möchte, wo sie herkommt. | Jasmin

Ich sah keinen anderen Ausweg, als mein Kind zur Adoption freizugeben.

Mir ging es psychisch sehr schlecht. Wer der Vater ist, wusste ich nicht. Ich war schon alleinerziehende Mutter eines zweijährigen Kindes. Alleine, mit 27, hätte ich es nicht geschafft, für zwei Kinder zu sorgen.

In der 20. Schwangerschaftswoche wendete ich mich an eine Adoptionsstelle und tauschte mich mit einer Beraterin aus. Ich blieb bei meiner Entscheidung, obwohl sie mich sehr schmerzte. Denn nur so würden meine beiden Kinder Chancen im Leben haben. Bei der Auswahl der Adoptiveleltern konnte ich mitentscheiden. Ich wollte das Paar kennenlernen. Das Gespräch war für mich zwar sehr belastend. Aber ich hatte das Gefühl, dass es meinem Kind bei diesem Paar gut geht. Die Beraterin hat mich unterstützt und mir gesagt, dass ich mich bis acht Wochen nach der Geburt noch anders entscheiden könne.  Bei der Adoptionsstelle hinterließ ich meine Biographie und ein Foto, falls Marie, diesen Namen habe ich meiner Tochter gegeben, eines Tages mehr erfahren möchte. Die Adoptiveltern schreiben der Adoptionsstelle einmal im Jahr und senden ein Foto, damit ich sehen kann, wie es Marie geht. Fünf Jahre habe ich gebraucht, bis ich mir Briefe und Fotos anschauen konnte. Meine soziale und wirtschaftliche Lage hatte sich stabilisiert, ich lebte wieder in einer festen Beziehung. Wenn ich möchte, kann ich Marie sehen, die Adoptivfamilie ist dafür offen. Ich denke oft an sie, auch mit Traurigkeit, aber damals hatte ich einfach keine andere Wahl. | Stefanie