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Schwanger?

Und keiner darf es erfahren?

Meine Schwangerschaft verdrängte ich deshalb bis zum sechsten Monat. Zwei Monate vor der Geburt zog ich mich von Freunden zurück. Jetzt war es nicht mehr zu übersehen. Zum Glück war Winter und ich konnte weite Pullover tragen.

Nie hätte ich gedacht, dass mir sowas einmal passiert, solche Angst, solche Verzweiflung – mit Ende dreißig, gut ausgebildet. Einen Plan für „danach“ hatte ich nicht. Manche Nacht saß ich vor dem Computer und hoffte, dass das Internet eine Lösung ausspuckte. 

Kurz vor der Geburt nahm ich meinen Jahresurlaub. In meinem Wohnzimmer brachte ich einen Jungen zur Welt. Zwei Tage spielte und schmuste ich mit ihm, nahm Abschied. Am dritten Tag fuhr ich zu einem Krankenhaus. Eigentlich wollte ich ihn dort abgeben und gleich wieder los. Aber eine Ärztin bot mir eine Untersuchung an und informierte eine Beraterin. Sie fragten nach dem Namen des Kindes, nach einem Brief, einem Kuscheltier, einer Haarsträhne – als Erinnerung an seine Mutter. Und ob ich nicht doch von meiner Situation erzählen will. Da konnte ich das erste Mal richtig weinen. 

Ich wollte, dass mein Sohn in einer richtigen Familie aufwächst. Deshalb habe ich mich für eine Adoption entschieden. Neun Monate nach der Geburt konnte ich die Adoptivfamilie kennenlernen. Das war mir sehr wichtig. Seitdem bekomme ich über die Adoptionsvermittlung regelmäßig Briefe und Fotos. Meine Daten habe ich offengelegt, so dass er mich eines Tages finden kann.