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Schwanger?

Und keiner darf es erfahren?

Mir ging es psychisch sehr schlecht. Wer der Vater ist, wusste ich nicht. Ich war schon alleinerziehende Mutter eines zweijährigen Kindes. Alleine, mit 27, hätte ich es nicht geschafft, für zwei Kinder zu sorgen. Unterstützung hatte ich nicht – weder von Freunden noch von der Familie. Und eine Abtreibung? Das kam für mich aus religiösen Gründen nicht in Frage. 

In der 20. Schwangerschaftswoche wendete ich mich an eine Adoptionsstelle und tauschte mich mit einer Beraterin aus. Ich blieb bei meiner Entscheidung, obwohl sie mich sehr schmerzte. Denn nur so würden meine beiden Kinder Chancen im Leben haben. Bei der Auswahl der Adoptiveleltern konnte ich mitentscheiden. Ich wollte das Paar kennenlernen. Das Gespräch war für mich zwar sehr belastend. Aber ich hatte das Gefühl, dass es meinem Kind bei diesem Paar gut geht. Die Beraterin hat mich unterstützt und mir gesagt, dass ich mich bis acht Wochen nach der Geburt noch anders entscheiden könne. 

Bei der Adoptionsstelle hinterließ ich meine Biographie und ein Foto, falls Marie, diesen Namen habe ich meiner Tochter gegeben, eines Tages mehr erfahren möchte. Die Adoptiveltern schreiben der Adoptionsstelle einmal im Jahr und senden ein Foto, damit ich sehen kann, wie es Marie geht. Fünf Jahre habe ich gebraucht, bis ich mir Briefe und Fotos anschauen konnte. Meine soziale und wirtschaftliche Lage hatte sich stabilisiert, ich lebte wieder in einer festen Beziehung. Wenn ich möchte, kann ich Marie sehen, die Adoptivfamilie ist dafür offen. Ich denke oft an sie, auch mit Traurigkeit, aber damals hatte ich einfach keine andere Wahl.